Texte für die Website schreiben: Anleitung für Selbstständige
Der Text entscheidet, ob eine Website Anfragen bringt – nicht das Design. Und er ist der Punkt, an dem die meisten Projekte hängen bleiben.
Kurz gesagt
Gute Website-Texte beantworten in den ersten Sekunden drei Fragen: Was wird angeboten, für wen, in welchem Gebiet. Sie sind aus Sicht des Kunden geschrieben, nicht aus Sicht des Anbieters, verwenden die Worte der Zielgruppe statt Fachbegriffe und enden mit einer klaren Handlungsaufforderung. Als Faustregel gilt: Wer die eigene Leistung nicht in einem Satz erklären kann, den ein Fremder versteht, hat den Text noch nicht fertig.
Der erste Satz entscheidet
Besucher entscheiden in wenigen Sekunden, ob sie richtig sind. In dieser Zeit lesen sie fast nur die oberste Zeile.
Diese Zeile muss drei Dinge verbinden: die Leistung, die Zielgruppe und das Gebiet. "Gartenpflege und Objektbetreuung für Hausbesitzer im Raum Freising" leistet das. "Ihr Partner für ganzheitliche Außenanlagen" leistet nichts davon.
Ein guter Test: Nimm die oberste Zeile deiner Startseite und zeige sie jemandem, der dein Geschäft nicht kennt. Kann die Person danach sagen, was du machst und ob sie zur Zielgruppe gehört?
Aus Kundensicht schreiben, nicht aus Anbietersicht
Der häufigste Fehler ist die Innenperspektive. Sätze beginnen mit "Wir bieten", "Unser Unternehmen", "Seit 1998 sind wir".
Kunden interessiert zunächst nicht, wer du bist, sondern ob ihr Problem gelöst wird. Die Firmengeschichte gehört auf die Über-mich-Seite, nicht nach oben auf die Startseite.
Praktische Umformulierung: Streiche jeden Satz, der mit "Wir" beginnt, und schreibe ihn aus der Kundenperspektive neu. Aus "Wir bieten schnelle Reaktionszeiten" wird "Sie bekommen innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung".
Die Worte der Zielgruppe verwenden
Jede Branche hat Fachbegriffe, die nach außen niemand sucht. Wer sie verwendet, wird bei Google nicht gefunden und beim Lesen nicht verstanden.
Ein Beispiel: Ein Betrieb nennt seine Leistung "Fassadenreinigung mit Niederdruckverfahren". Gesucht wird aber nach "Fassade reinigen lassen Kosten". Beides kann im Text stehen – aber die Kundensprache gehört in die Überschrift.
Woher du die richtigen Worte bekommst: aus deinen eigenen Kundengesprächen. Wie beschreiben Anrufer ihr Anliegen? Genau diese Formulierungen gehören auf die Seite.
Aufbau einer Leistungsseite
Diese Reihenfolge funktioniert für die meisten Dienstleistungen.
- Überschrift: Leistung plus Nutzen in einem Satz.
- Für wen es gedacht ist: eine Zeile, die den Leser einordnet.
- Was konkret gemacht wird: Aufzählung statt Fließtext, damit es überflogen werden kann.
- Was es kostet: mindestens ein Rahmen. Fehlende Preise kosten Anfragen an Anbieter, die welche nennen.
- Wie es abläuft: drei bis fünf Schritte nehmen die Unsicherheit.
- Handlungsaufforderung: genau eine, unmissverständlich.
Länge: so viel wie nötig
Es gibt keine Idealzahl. Der Text ist fertig, wenn alle Fragen beantwortet sind, die ein Interessent vor der Anfrage hat.
Für eine einzelne Leistung sind 300 bis 600 Wörter meist ausreichend. Bei erklärungsbedürftigen Angeboten oder Themen, zu denen Menschen recherchieren, dürfen es 1.000 und mehr sein.
Wichtiger als die Länge ist die Gliederung: Zwischenüberschriften alle zwei bis drei Absätze, kurze Sätze, Aufzählungen für Aufzählbares. Niemand liest eine Wand aus Text – auf dem Handy erst recht nicht.
Die häufigsten Fehler
Diese fünf tauchen bei fast jedem Selbstversuch auf.
- Superlative ohne Beleg: "höchste Qualität", "bester Service". Jeder schreibt das, niemand glaubt es. Konkrete Angaben wirken stärker.
- Passiv und Substantivketten: "Die Durchführung der Arbeiten erfolgt" statt "Ich mache".
- Alles auf der Startseite: Wer jede Leistung dort unterbringt, verwässert sie alle. Eine Seite pro Thema.
- Keine Preise: Der häufigste Grund, warum Interessenten weiterklicken.
- Kein klarer nächster Schritt: Der Text endet, ohne zu sagen, was zu tun ist.
Wenn du nicht weiterkommst
Texten ist die zeitaufwendigste Teilaufgabe eines Website-Projekts und der häufigste Grund für Verzögerungen. Wer merkt, dass er seit zwei Wochen an der Startseite sitzt, sollte die Aufgabe abgeben.
Ein pragmatischer Zwischenweg: Sprich die Antworten auf die Fragen deiner Kunden einfach ein, statt sie zu schreiben. Gesprochene Sprache ist fast immer klarer als geschriebene – aus einer Aufnahme lässt sich anschließend ein guter Text machen.
Häufige Fragen
- Wie lang sollte ein Website-Text sein?
- So lang wie nötig, um die Fragen zu beantworten, die ein Interessent vor der Anfrage hat. Für eine Leistungsseite sind 300 bis 600 Wörter üblich, für erklärungsbedürftige Themen deutlich mehr. Entscheidend ist die Gliederung, nicht die Wortzahl.
- Sollen Fachbegriffe auf der Website stehen?
- Im Fließtext ja, in der Überschrift nein. Überschriften sollten die Worte verwenden, mit denen Kunden ihr Anliegen beschreiben – danach wird gesucht. Fachbegriffe können ergänzend im Text auftauchen.
- Kann ich Texte von anderen Websites übernehmen?
- Nein. Texte sind urheberrechtlich geschützt, das Übernehmen ist eine Rechtsverletzung und kann abgemahnt werden. Zusätzlich wertet Google doppelte Inhalte ab, sodass der Text auch keinen Nutzen bringt.